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Kaminer goes Kaukasus

Es ist das Paradies auf Erden: süße Melonen, emsige Bienen, pralle Weintrauben und spottbillige Prada-Taschen von Channel. Das gibt es nur an einem besonderen Ort: dem Kaukasus. Hier lebt die Schwiegermutter von Wladimir Kaminer samt ihrer Familie in Borodinowka an der Steppenstraße, einem Ort der Lebensfreude, Abenteuer und Begegnungen mit einzigartigen Menschen.



Typisch deutsch und trotzdem lustig!

Deutschland hat viel Liebenswertes zu bieten: Sparkassenberater, die von jeder Geldanlage abraten, Zeitungsenten aus Plüsch oder Vegetarier, die gerne Fleisch essen – nur nicht das von Tieren. Außerdem gibt es bei uns die perfekte Form der Schriftgutverwaltung. Schließlich ist ein Land ein schwieriges Unternehmen, und um es in den Griff zu bekommen, braucht man Erfindungsgeist. So erfanden die Amerikaner den Colt, die Russen das Destilliergerät und die Deutschen den Leitz Ordner.

Man nehme nur den Begriff der „Einverständniserklärung“ – wie kommen andere Völker ohne ihn aus? Bei uns gäbe es ohne ihn keinen Besuch auf dem Abenteuerspielplatz, keinen Zugang zur Schulbibliothek und keinen Schwimmunterricht. Es wäre ja denkbar, dass beim direkten Aufprall mit dem Leben jemand zu Schaden kommt, und wer übernähme dann die Verantwortung? Und so träumt Deutschland davon, das Dasein von allen Restrisiken zu befreien. Autos dürfen keine gefährlichen Abgase mehr ausstoßen – zumindest nicht ohne Einverständniserklärung – und dem gesundheitsbewussten, ökologisch ernährten Vegetarier gehört die Zukunft. Erstaunlich ist dabei nur, dass der Autor selbst noch am Leben ist. Schließlich ernährte er sich in seiner Kindheit von Würstchen, die zu neunzig Prozent aus Farbstoffen und zu zehn Prozent aus gänzlich unbekanntem Material bestanden. Zudem mangelte es in Russland an Ordnung und Orientierung, die uns so wichtig sind. Daher lässt der Deutsche sich auch gerne von einer vertrauenswürdigen Instanz führen – beispielsweise seiner Frau oder seinem Navi, auch wenn die ihn oft in die falsche Richtung ziehen.

Wladimir Kaminer sieht seine Wahlheimat mit viel Verständnis für dessen Schrullen und Besonderheiten. Und so sind wir am Ende von uns selbst ganz bezaubert, denn wer hätte gedacht, was für ein lustiges Volk wir im Grunde sind!


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